Warum Naturkosmetik?

In der Theorie scheint es ganz einfach. Je besser die Inhaltsstoffe, desto besser das Produkt. Hinzu kommt, dass weder Tiere noch Umwelt dafür leiden sollten. Und natürlich kann doch nicht schaden, oder?

Leider ist es in der Praxis viel komplizierter. Was sind gute Inhaltsstoffe, wie kann es sein, dass auch vegane Produkte mitunter an Tieren getestet werden und ist nach Definition nicht eigentlich alles Chemie?
(Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich um einen noch unfertigen Entwurf)

Eine etwas längere Einleitung vorweg

Meine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Haut begann mit meinen eigenen Hautproblemen (chronische Urtikaria und Rosazea). Nach vielen gut gemeinten, aber nur selten hilfreichen Ratschlägen, musste ich meine Haut erst mal neu kennenlernen. Quasi wieder bei Null anfangen, um zu verstehen was überhaupt schief läuft. Das hat einige Zeit gedauert und dann noch mal eine Weile bis ich die Produkte gefunden hatte, die meinem Hautzustand zuträglich sind. Um diese Auseinandersetzung für andere zu erleichtern, möchte ich meine Erkenntnisse teilen. (Wichtige Notiz am Rande, es gibt keine Zaubermittel und gute Haut ist nicht das, was man auf Fotos sieht.) Das heißt aber nicht, dass meine Ansichten die ultimative Wahrheit sind.

Im Grunde kennst du deine Haut nämlich am besten, und wenn du weißt worauf du achten musst, zeigt sie dir auch was funktioniert und was nicht. Gerade weil unsere Haut so unterschiedlich ist können wir ohne den Austausch untereinander nicht schlauer werden. Auch deshalb teile ich hier ein paar Informationen, die ich persönlich wichtig finde.

Die Haut ist funktionell das vielseitigste Organ und kann durch ebenso vielseitige Faktoren gestört werden. Ein Großteil ist genetische Veranlagung, aber auch dein Hormonhaushalt, Unverträglichkeiten und immer extremer werdende Umwelteinflüsse spielen eine große Rolle. Um bestimmte Hautkrankheiten zu bestätigen oder auszuschließen, solltest du deshalb eine Dermatologin oder einen Dermatologen aufsuchen. Und nicht vergessen, jede Haut ist anders. Nur weil ich meine Haut auch mit einer gezielten Ernährung verbessern kann, heißt das nicht das deine Akne sofort verschwindet, wenn du auf Milch verzichtest.

Aus diesem Grund solltest du gezielte Ratschläge zum Thema Haut auch immer nur geben, wenn du danach gefragt wirst. Jemandem ungefragt auf seine Hautprobleme anzusprechen, um dann zu auszuführen was bei deiner Freundin XY oder dir Wunder gewirkt hat, kann vielleicht gut gemeint sein, ist aber ziemlich anmaßend. Ok, ich schweife ab … Fangen wir erst mal mit dem Thema Naturkosmetik an.

Naturkosmetik

Naturkosmetik, Bio und natürlich sind keine geschützen Begriffe, wenn es um Kosmetika geht. Ein wenig Übersicht verschaffen aber Zertifizierungen, die durch bestimmte Auflagen sicherstellen, dass gewisse Standards eingehalten werden. In Deutschland sind die gängigsten Zertifikate NATRUE, BDIH Kontrollierte Naturkosmetik, Ecocert und Demeter. Eine Zertifizierung bedeutet allerdings nicht, dass die Inhaltsstoffe allesamt aus biologischem Anbau stammen, oder dass das Produkt aufgrund der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe besonders gut ist.

Außerdem ist eine Zertifizierung auch immer mit einem großen Kostenaufwand verbunden, den sich gerade kleinere Marken nicht leisten können. Man sollte sich deshalb immer die Inhaltsstoffe genau anschauen. Wenn ich den Begriff Naturkosmetik verwende, geht es mir um den Grundgedanken, der dahinter steckt, nicht das Zertifikat. Naturkosmetik steht für einen bewussten Umgang mit Ingredenzien, der Umwelt und eine generelle ethische Verantwortung. Genau das ist mir wichtig. Die Wahl der Produkte, die ich für mich und andere wähle, ist davon geprägt, dass ich einen hohen Anspruch an die Zusammensetzung habe. Ich bevorzuge es, wenn Kosmetik mit wenigen, aber effektiven Inhaltsstoffen auskommt.

Aber ist natürlich wirklich besser?

Trotzdem heißt das nicht, dass Naturkosmetik immer das Beste für deine Haut sein muss. Formulierungen können zu intensiv, oder mit Inhaltsstoffen versehen sein, die deine Haut reizen können. Deshalb kann die günstige, konventionelle Variante aus der Drogerie, mit den richtigen Inhaltsstoffen, für deine Haut viel besser sein, als das teure, „natürliche“ Produkt.

Sei auch vorsichtig bei Produkten, die damit werben was sich alles NICHT unter den Inhaltsstoffen finden lässt. Viel zu oft ist das nämlich ein geschicktes Ablenkungsmanöver, welches nur darauf abzielt, dass du bei dem Rest nicht so genau hinschaust. So wie bei dem fettarmen Joghurt, der mehr Süßungsstoffe enthält, damit er trotz geringem Fettgehalt nach etwas schmeckt. Jedes Marketing-Team weiß wie gerne du dich selbst betuppst und dir einredest die gesündere Wahl getroffen zu haben.

Nutze diese Angaben ruhig zur ersten Orientierung, aber schau dann nochmal genau hin. Du bist einfach auf der sicheren Seite, wenn du danach gehst was ein Produkt wirklich beinhaltet. Dazu musst du auch nicht immer die kompletten INCIS entschlüsseln. Merke dir welche Inhaltsstoffe gut für dich funktionieren und welche lieber nicht enthalten sein sollten. So kannst du nämlich nach genau diesen Ausschau halten. Je mehr von einem dieser Stoffe enthalten ist, desto weiter oben steht er auch in der Inhaltsstoff-Liste.

Das könnte helfen

Wenn deine Haut sehr sensibel ist, hilft es vielleicht Reizstoffe (zum Beispiel ätherische Öle, einige Alkohole) zu reduzieren oder ganz auf sie zu verzichten. Hast du fungale Akne, sind Öle eine ziemlich schlechte Idee. Bei Rosazea solltest du vielleicht nicht zu der „anregenden“ Gesichtsmaske greifen. Du siehst, in all diesen Fällen spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Naturkosmetik Produkt handelt, oder nicht. Auch rein pflanzliche Inhaltsstoffe können schaden. Was für konventionell Kosmetika gilt, gilt für Naturkosmetika genauso, wir sollten uns nicht von leeren Werbeversprechen blenden lassen.

Wissen ist Macht (Ich hab wirklich versucht ein besseres Zitat zu finden, aber ich hab trotzdem jedes Mal wieder Francis Bacon im Ohr. Der Kontext ist ein ganz anderer, aber ich denke ihr wisst was ich meine). Wenn du dich noch mehr ins Thema einlesen willst, kann ich dir auf jeden Fall die „Learning Together“-Reihe von Selfcare Society empfehlen. Hier findest du zu fast jedem Inhaltsstoff und Haut-Thema einen super verständlichen und gut recherchierten Artikel.

Dekorative Kosmetik

Auf dem Naturkosmetikmarkt hat sich die letzten Jahre auch in punkto dekorative Kosmetik so einiges getan. Deshalb ist es mir möglich komplett auf Naturkosmetik zurück zu greifen. Naja fast. Denn wenn du an deinem Hochzeitstag nicht möchtest, dass sich deine Wimperntusche nach ein paar Tränen über dem ganzen Gesicht verteilt, dann solltest du ausnahmsweise mal auf Naturkosmetik verzichten. Wasserfest geht nämlich (noch) nicht in natürlich. Auch hier reicht es also nicht wenn ein Produkt „natürlicher“ ist, es muss funktionieren, sonst kann man sie sich sparen.

Davon aber mal ganz abgesehen, meine Haut hat mir auch in diesem Bereich den Wechsel zur Naturkosmetik sehr gedankt. Natürlich hat auch hier nicht alles auf Anhieb funktioniert, aber ich habe einiges gefunden, das den Spaß am Schminken auf jeden Fall noch größer macht. Trotzdem bin ich auch hier nicht dogmatisch. Tierversuchsfrei müssen Produkte für mich sein, da lasse ich nicht mit mir diskutieren, aber auch bei mir finden sich ein paar Marc Jacobs Lidschatten.

Du sollst nicht all deine Produkte entsorgen, weil sie kein NK-Label tragen. Das wäre wirklich alles andere als nachhaltig und du schmierst dir auch kein pures Gift ins Gesicht. Trotzdem schadet es vielleicht nicht bei der nächsten Foundation in eine „natürlicheres“ (ich brauch noch ein konkreteres Wort um zu beschreiben was ich meine. Help me, please!) Produkt zu investieren.

Fazit

Du siehst, es ist auch in diesem Bereich, wie in vielen anderen. Ein Denken in schwarz und weiß bringt uns nicht weiter und führt äußerst selten zum Erfolg. Wir können aber herausarbeiten was uns selbst wichtig ist und nach diesen Kriterien entscheiden. Vor allem, wenn wir dabei ein wenig Hilfe bekommen.

Meine Haut ist mir wichtig und ich kümmere mich gerne um sie (das beinhaltet auch das Anmalen). Und das am liebsten mit Naturkosmetik. Nicht um irgendwelchen unrealistischen Idealen zu entsprechen, sondern weil ich mir bewusst Zeit für mich nehme. Etwas Eitelkeit spielt ehrlicherweise auch eine Rolle, aber ich schaue nicht nur wie es meiner Haut geht, sondern auch mir selbst. Dafür ist dieses super interessante Organ nämlich ein großartiger Indikator. Den Stress kann ich meinem Gesicht genauso ablesen, wie zu viel Grübelei … Und das Glas Wein zuviel fühle ich nicht nur, ich sehe es auch. Das ist, auch wenn ich es mir nicht immer eingestehen möchte, etwas Gutes.

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